Psychologie

Das Selbst in der Psychologie

Selbstkonzept, Selbststruktur, Selbstaufmerksamkeit, Selbstwertgefühl, Selbstwahrnehmung, Selbstregulation oder Selbstbild sind nur einige der Begriffe, auf die man stößt, sobald man anfängt sich aus der psychologischen Sichtweise heraus mit dem Thema Selbst und Selbstbewusstsein zu beschäftigen.
Und tatsächlich scheinen sich alle Theorien und Hypothesen (zumindest die, die der humanistischen Psychologie oder der Psychoanalyse zugeordnet werden) auf die ein oder andere Weise diesen Begriffen zu widmen.

Mehr als nur eine Theorie

Doch obwohl das Selbst ein so zentraler Aspekt bei der Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche zu sein scheint, lässt sich keine einheitliche Definition dieses Begriffs finden. Auch über die Frage, in welchem Zusammenhang das Ich und das Selbst stehen, herrscht Uneinigkeit. Manche Theorien verwenden beide Begriffe gleichbedeutend, andere grenzen sie klar voneinander ab. So steht beispielsweise in der Psychoanalyse das ICH klar im Fokus. Denn es bildet gemeinsam mit dem ES und dem ÜBER-ICH das Strukturmodell der Psyche. Ihm wird die Funktion zugewiesen, zwischen den Ansprüchen der beiden anderen Instanzen und den Gegebenheiten der sozialen Umwelt zu vermitteln. So kann es Ängste und Konflikte  vermeiden bzw. aufzulösen. Um das Ich zu stärken, ist es nach Freud also notwendig, bewusst seinen Schatten bzw. seinem Unbewussten zu begegnen.

Die Potenziale entfalten

In der Personenzentrierten Theorie von Carl Rogers kommt der Begriff des Ich hingegen so gut wie gar nicht vor. Hier dreht sich alles um das Selbst und dessen Weiterentwicklung, was an dem Konzept der Selbstaktualisierungstendenz deutlich wird. So bezeichnet Rogers das dem Menschen angeborene Streben nach Selbstverwirklichung, bzw. die natürliche Tendenz des menschlichen Organismus nach Entfaltung seiner körperlichen, seelischen und geistigen Potenziale.

Das Selbstkonzept kann der Selbstaktualisierung entgegenstehen, oder sie fördern. Das Selbstkonzept ist das individuelle Ergebnis aller Erfahrungen, welche im Lauf des Lebens in der Auseinandersetzung mit der Umwelt entstehen. Habe ich ein negatives Selbstkonzept entwickelt, steht das einer persönlichen Weiterentwicklung u.U. im Wege. Daher ist es nach Rogers notwendig, das Selbstkonzept durch bedingungslose Wertschätzung zu stärken. Ein positives Selbstkonzept ist das, was man auch als hohes Selbstbewusstsein bezeichnen kann.

Psychologie und Selbstbewusstsein

An diesen beiden Beispielen wird deutlich, dass die Ansätze zur Beschreibung und Erklärung der Natur des Selbst(-bewusstseins) sowie dessen Entstehung und Weiterentwicklung aus der psychologischen Perspektive durchaus sehr unterschiedlich sind.

Und genau aus diesem Grund ist es wichtig, sich genauer mit den verschiedenen Standpunkten zu diesem Thema auseinanderzusetzen. Dazu werden wir in den nächsten Wochen und Monaten auf dieser Seite verschiedene Theorien aus der Psychologie vorstellen, die sich konkret oder im weitesten Sinne mit dem Selbstbewusstsein beschäftigen.

Ich bin Blogger und Projektentwickler und forsche zum Thema Philosophie und Sozialökologie. Auf der Suche nach Weisheit.

Timotheus Böhme
Philosoph
Ich habe Journalismus und Gender Studies studiert, schaue mir gern die Welt an, habe in Finnland, Tschechien und Israel gelebt und stelle mir immer wieder intensive Fragen zum Zusammenhang zwischen Seele, Liebe, Energien und dem Universum.