Philosophie

Selbstbewusstsein heißt Selbsterkenntnis

Schon über dem Orakel von Delphi stand die berühmte Losung: „Erkenne dich selbst!“ (altgriechisch: Gnothi seauton). Dieser Aufforderung nachzukommen, bzw. eine Philosophie durch Selbstbewusstsein zu entwickeln, berührt mehrere Ebenen unserer Existenz. Zum einen bedeutet das die Erkenntnis über mein faktisches oder konkretes Selbst. Das heißt: das Bewusstsein über die eigene Biografie und Geschichte, über mein persönliches Verhältnis zu meiner Familie und der Gesellschaft, über eigene Schwächen und Stärken und über Einmaliges an mir. Selbsterkenntnis bedeutet zum anderen aber auch die Erkenntnis über mein allgemeines Selbst. Sie bedeutet daher ebenfalls die Kenntnis über meine Möglichkeiten und Potenziale. Sie bedeutet die Einsicht darin, dass ich Teil von etwas Größerem bin. Dass ich mich nicht nur zur Welt, zu Natur und Gesellschaft individuell positioniere, sondern dass ich ein Teil von ihnen bin.

Der Mensch muss mit dieser Doppeldeutigkeit leben lernen, dass er gleichzeitig getrennt und verbunden mit allem ist. Er lebt im Zwiespalt individuell und einmalig, gleichzeitig aber auch überindividuell und ein Teil des Ganzen zu sein. Als Teil des Kosmos sind wir zugleich der Kosmos, aber eben auch nur ein Teil davon. Im antiken Griechenland hatte das Selbstbewusstsein eine ähnliche Stellung. Sie bedeutete, dass wir im Verbund mit Göttern stehen. Und aber auch, dass wir unsere benachteiligte Stellung als Menschen anerkennen müssen und daher auf die Gunst höherer Mächte angewiesen sind. Die antike Philosophie hat größtenteils an dieser polytheistischen Vorstellung nicht gerüttelt, war aber insofern ein Akt der Befreiung, als sie die logische, rationale Erkenntnis vor die mythische Abhängigkeit von höheren Mächten stellte.

Wie können wir Verbundenheit erfahren?

Heute hat sich die Situation dahingehend gewandelt, dass wir uns die meiste Zeit nicht mehr mit unserer Welt, unseren Mitmenschen oder Gott bzw. den Göttern verbunden fühlen, sondern vielmehr vereinzelt, isoliert und auf uns allein gestellt. Und positiv formuliert sind wir autonom, Gestalter unseres Lebens und frei, unsere Einzigartigkeit auszudrücken. Dies ist mit eigenen Herausforderungen verbunden. Diese kann man unter dem Aspekt der Selbsterkenntnis betrachten: Wer sind wir in Zeiten der massenhaften Individualisierung? Was kann ich am Geschick der Menschheit ausrichten? Welche Rolle kann, will und soll ich in dieser Gesellschaft spielen? All diese Fragen können nicht mehr pauschal beantwortet werden, weil die Zahl der verschiedenen Lebensentwürfe zu groß ist. Aber die Art der Fragen lässt vermuten, dass es wieder eine größer gewordene Sehnsucht nach dem Überindividuellen, nach Verbundenheit gibt.

Bewusste Existenz ist Wille zum Sinn. Philosophie und Selbstbewusstsein begegnen sich in der Aufforderung: „Erkenne dich selbst!“. Wenn es unser Wille ist, wahrhaftig glücklich zu werden und den wahrhaftigen Sinn in unserer Existenz zu erkennen, so kann das nur auf Grundlage einer Philosophie beider Aspekte, d.h. auf Grundlage einer präzisen Analyse von Konkretem und Allgemeinen geschehen. Denn sonst laufen wir Gefahr, den Kosmos entweder zu einem bloßen Haufen von Einzelheiten zu degradieren, oder aber zu einer übermächtigen und kalten Einheit zu überhöhen.

Philosophie und Selbstbewusstsein

In diesem Sinne gehe ich auf verschiedene Aspekte von Selbstbewusstsein ein, immer mit dem nötigen praktischen Know-How, damit das Wissen für Dich auch anwendbar ist. Denn meiner Ansicht nach muss die Philosophie aus den Universitäten raus und in das Bewusstsein der Menschen, damit wir einen erfüllenderen Umgang mit uns und der Welt entwickeln können!

Ich bin Blogger und Projektentwickler und forsche zum Thema Philosophie und Sozialökologie. Auf der Suche nach Weisheit.
Timotheus Böhme
Philosoph